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Alpin Camp Santa Caterina

Trail-Schätze des Alta Rezia und Cevedale

Auch ich als MTB-Coach brauche manchmal Herausforderungen, einen Saison-Highlite worauf man hin fiebert. Etwas Schönes zu teilen mit Menschen und das in einer imposanten Natur.

Als wir (Leo und Zena) 2015 den Ski- und MTB-Ort Santa Caterina/Bormio kennen lernten, haben wir gehofft irgendwann mal einen Alpin-MTB-Camp in dieser Region Alta Rezzia zu veranstalten. Nun war es soweit. Es haben sich 7 Teilnehmer/innen für den Kurs-Programm und 4 Teilnehmer/innen für das Touren-Programm angemeldet. Alle sichere Biker/innen, mit viel Erfahrung in Trails und Spaß an der Abfahrt.

Ziel des Camps war es:

Das geschnürte Touren- und Trainingspacket beinhaltete 5 Tage, jede einzelne Destination hatte ihren eigenen Charme und Charakter.

Am Anreisetag guckten 11 Augenpaare etwas müde aufgrund der langen Anfahrt, nach der Kennenlernrunde war die Stimmung bereits am warm köcheln.

Tag 1: Pizzini - Ables

Zwei Landrover mit Bike-Anhänger warteten um 10:00 auf unsere Gruppen um das Uphill-Abenteuer zum Rifugio Pizzini anzugehen. 1000HM Daktari-Feeling, holprige Bergpiste, Blick zum Forni-Gletscher, Murmeltier-Safari und erstmal "ankommen". Auf 2700m auszusteigen um dann gleich in die Abfahrt zu fahren ist etwas ungewöhnlich, aber wir haben uns sehr schnell damit angefreundet. Die Kurs-Gruppe erhielt zur Einführung eine kleine Theorie-Einheit über den Umgang mit Stress und Angst im Trail, wie das Gehirn alles Neue interpretiert und wie wir relativ gelassen damit umgehen können. Ein kurzes Stück Richtung Zebru-Pass geschoben und es ging an die ersten Fahrtechnikeinheiten. Linien gezielt fahren, Stufen überwinden, Schlüsselstellen mit der richtigen Blickführung und Entschlossenheit meistern. Nach ca. einer halben Stunde haben wir uns an die Kurzatmigkeit gewöhnt und fuhren in den wunderschönen 528er Trail in Richtung Forni-Hütte. Viele Fotostopps, Training an relevanten Stellen, Kontrolle der Vorderradführung, gezieltes feinfühliges Bremsen, lockeres Überwinden von Steinpassagen und unser erster langer Slickrock machten mächtig Hunger. Spagetti, Pizzocheri und Apfelstrudel gingen rein wie nix. Nach der Pause führte der Panorama-Weg nach Ables über einer konstanten Höhe, Zeit zum staunen und Eindrücke sammeln. Der finale Walzer über einen flowigen Kurven-Trail hinunter nach Santa Caterina entspannte unsere Gemüter und sorgte für Fahrspaß pur. Auf der Hotel-Terrasse warteten Leo und die Touren-Gruppe bei einem kühlen Bier und meine Co-Trainerin Barbara von MTB-Fahrspaß war auch schon eingetroffen.

 

Tag 2: Sunny Valley - Rif. Berni - 25a/25b

Täglich grüßt das Murmeltier - heute ging es im Landy auf 2650m hinauf zur Sobretta, auf dessen Hochebene sich das Sunny Valley (eine imposante Ski-Hütte) befindet. Der Hütten-Chef war so nett und schaltete die Kaffee-Maschine für uns ein, erzählte die Geschichte der Dynamite Trails aus dem ersten Weltkrieg und die Entstehung dieser Bike-Arena. Gänsehaut-Feeling und großer Respekt für seine Vision stellten sich ein, wir wünschten viel Erfolg und verabschiedeten uns herzlich. 200HM Schiebe-Strecke später waren wir warm und die Luft war dünn. Strahlend blauer Himmel, klare Luft und ein fantastischer Endurotrail hinab ins Valle de Rezzolo brachten Fahrspaß und einige steile geröllige Serpentinen hervor. Ein fester Stand und helfende Hände führten jeden um die Kurven herum, es machte Undenkbares möglich und sorgte für viel Sicherheit bei den Biker/innen. Der zweite Teil der Abfahrt entlang des Baches versprach Arbeit und hohe Aufmerksamkeit. Das Motto "einfach drüber, anstatt drumrum" schenkte mehr Stabilität und Bikekontrolle. Barbara und ich haben so oft es ging gespottet und mentale Unterstützung gegeben. Mit hoher Motivation und ein bisschen Mut fuhren die Teilnehmer/innen sicher verblockte Passagen hindurch. Das sichere Absteigen zum Berg und die kluge Entscheidung zu schieben, haben wir allen groß angerechnet. Entspannung für den Kopf und Arbeit für die Beine versprachen die 300HM Anstieg zum Rifugio Berni. Mittagspause geschafft und weiter ging das Trail-Abenteuer. Der 25a-Trail führt rechts der Gavia-Pass-Straße höhengleich nach Santa Caterina, erst wellig mit einigen Wasserfall-Querungen, kurze Schiebe-Passagen um später in den 25b-Trail abzuzweigen zum Ponte delle Vache. Feinster Serpentinen-Trail, anspruchsvolle aber fahrbare Linien, etwas mehr und etwas weniger verblockt. Die Gruppe hat es genial gemeistert, hohe Aufmerksamkeit und Konzentration bis zum Schluss. Die Gruppen-Kultur wirkte wohlwollend und ermutigend auf alle.

Tag 3: Bormio 3000

Einen Tag vor dem Zieleinlauf der Transalp-Challenge machten wir uns Richtung Bormio. Die Gondel sollte uns auf 3000 Meter befördern um von dort aus den ewigen Trail nach S.Caterina zu fahren. Nach dem Rumgealbere im Zieltor und der obligatorischen Cappucino-Pause auf der Piazza, stiegen wir in die Gondel. An der Bergstation ertwartete uns eine hochalpine Steinwüste. Grandiose Blicke zum Cevedale, dem Monte Trezero und zum Gran Zebru, 3500er Gipfel an der Perlenschnur. Einige Fotos später rollten wir in die Abfahrt. Es war ein anspruchsvoller Trail, gepflastert mit losen Felsplatten. Lockere Hüften, wackelige Liniensuche und häufige Pausen zum Verschnaufen waren nötig um die ersten 500Hm zu meistern. Eine wohlverdiente Picknickpause am smargdfarbenem See auf 2500m, das ist Luxus und Wellness zugleich. Im weiteren Verlauf der Abfahrt übten wir an verschiedenen Stellen steile Passagen durch verblocktes Geläuf und eine inszinierte Notfallübung. Im Falle eines Unfalles sind auch solche Kenntnisse wichtig. Wie kann man das Gelände absichern, wie dem Verletzten helfen, wie kann ich dabei Hilfe holen und was tue ich wenn ein Heli landen will? Aufmerksam und interessiert hörten sich die Bikerinnen alles an und nach der Theoriestunde rollten wir weiter nach S.Caterina. Ein 150Hm Anstieg unterbrach den Abwärtsdrang um im Anschluss einen sehr technischen Trail zu schenken. Obwohl wir einige Schlüsselstellen geschoben haben, war die gesamte Abfahrt durchgängig S3 und harte Arbeit. Die 7 Bikerinnen haben sich tapfer durchs Gelände geschlagen und am Abend waren sie stolz und müde zugleich.

 

Tag 4: Ponti Tibetani - Forni Gletscher

Mit eine Tasse Kaffee in einer Hand und dem Foto in der anderen Hand saßen wir an diesem Morgen auf der Mauer des Hotels in hoffnungsvoller Erwartung dass die Rennteams der Transalpchallenge vorbei rauschen zu sehen. Mit vollem Tempo und zielgerichtetem Blick nach vorne machten sich hunderte Racer zum Gavia-Pass hinauf, während wir gemütlich in den Landrover stiegen. 500 Hm später war dann schluss mit der Gemütlichkeit. Am Rifugio Forni schlängelte sich der Forstweg hinauf zur Branca-Hütte, am Fusse des Forni-Gletschers. Aus der Ferne vermuteten wir eine steile Rampe, tatsächlich war es schieben in der Senkrechte. Ich zweifelte daran ob ein Fahrzeug überhaupt dort hoch fahren kann, es hatte sich bestätigt. Nach dem Kaffee und Kuchen-Stop schoben wir kurz am Wasserfall entlang und rollten einen wunderschönen Trail in Richtung Gletscher-Bett. Tragepassage, Rollpassage, zwei Hängebrücken später legten wir die Bikes hin und spazierten zum Auslauf des Gletschers. Gigantische Eismassen türmten sich vor uns auf umgeben von Schutt und poliertem Fels. In solchen Momenten wird einem klar wie klein der Mensch doch ist und wie groß er sich manchmal hält. Ein Museum der Naturgewalten und der Elemente um uns herum. Auch hier hat der Klimawandel der letzten 80 Jahre deutliche Spuren hinterlassen, der Gletscher schmolz um beträchtliche 5 Kilometer. Nach einer kurzen Schiebepassage kam wieder Fahrspaß auf. Ein gerölliger Trail mit spannenden Übungsmöglichkeiten brachte unsere Gruppe zurück zum Rifugio Forni. Über Ables und dem Flowtrail nach Santa Caterina kam Leichtigkeit auf, der Gletscher im Hintergrund und unzählige Bilder im Kopf.

Tag 5: Finale

Ein letzter halber Trailtag bevor der Himmel die Schleusen öffnete, das war unser Plan. Auf 2700m geshuttlet und den 528er Trail zum Rifugio Forni hinunter gefahren. Aha-Effekte wurden merkbar, ein Zuwachs an Fahrtechnik, Sicherheit und Präzision war allen anzusehen. Einen technischen Trailabschnitt haben wir gemeinsam gespottet und Spitzkehren, Steilpassagen und hohe Felsstufen geübt. Zeitgleich mit der Ankunft zur Stella-Alpina-Hütte begann ein Gewitter loszugehen. Den letzten Trailtag beendeten wir gegen 14:00 und ließen die Erlebnisse wirken. Für mich war der Abschiedsabend eine schöne Gelegenheit allen zu danken, für das gelungene Event, für die Achtsamkeit im Gelände und die gegenseitige Rücksichtnahme. 

Großes Dankeschön geht an unsere Gäste - für das Vertrauen 

an Norberto Pedranzini und seiner Frau Ottilia vom Hotel Sport - für die Gastfreundschaft und das leckere Essen

an Simone Cola vom Taxi-Cola - für das Shuttlen und den sorgsamen Umgang mit den Bikes

an Barbara und Leo, meine Team-Partner - für die perfekte Zusammenarbeit und die Unterstützung

an den lieben Gott - für das perfekte Wetter.