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Suonen surfen an Ostern

Gletscher-Wasser und seine Architekten

Spontane Biketripps plant man kurzfristig, gerade dann wenn das Wetter an Ostern zweifelhaft ist. Niederschlagsradar, Wetterdienste und Staumeldungen sind genau so wichtig wie ein gut gepackter Bikerucksack. Wir haben uns für das Wallis entschieden, 360 Tage Sonne, wenig Schnee und megaviele Trails zur Auswahl. 

Am Nachmittag des Gründonnerstags brummten wir mit dem Womo in Richtung Wallis, Grobziel Gampel vor dem Lötschental. Karfreitag morgens strahlender Sonnenschein und um 9:00 bereits 15 Grad, schneefreie Hänge bis ca. 1800 Meter, wie geil! 

Tag 1: Karfreitag auf der Südrampe

Nach einigen Metern Asphalt auf der Auffahrt nach Hochtenn erreichten wir auf 1100m.ü.N. die Südrampe, ein unendlich langer Wanderweg entlang der Bahnstrecke nach Brig. Kleine Tunnels, kurze Schiebepassagen und Balancieren entlang ziemlich exponierter Passagen - und doch vielerorts Zeit und Raum für den grandiosen Blick in die verschneiten 3000er Gipfel. Oberhalb von Ausserberg führte uns der Track zum Choruderi-Stollen, ein 2km langer stockfinsterer Tunnel, bis zum Baltschneiderbach. Hier wurde der Trail zu einer Bisse. Frisches Gletscherwasser an der linken Backe, Abgrund an der rechten Backe. Schmelzwasserbäche als Sprühnebel vom Winde verweht, erfrischten ab und an die Konzentration beim Fahren. Ab Eggerberg bis nach Briggerbad flowte der Trail nur so dahin, woher die 1280HM kamen? Das wissen wir nicht, anstrengend war es allemal.

Tag 2: Bock uf Jeizinen und die Ergisch-Suone

Vor den Toren Gampels fährt für gewöhnlich die Gondel nach Jeizien, so eine Art Latsch in der Schweiz. Viele Abfahrtslinien, Sonnenhang, staubig und steinig. Doch zu dieser Zeit hatte die Gondel Wartungspause und wir durften strampeln. Ein unerwarteter Trainingseffekt ist immer willkommen, die Belohnung eine super schöne steile und mäßig verblockte Abfahrt nach Erschmatt und Niedergampel hinunter. Vielerorts Stickrocks und flotte Spitzkehren haben für Fahrspaß gesorgt. Die zweite Tageshälfte gestalteten wir entspannter, zumindest der Aufstieg hat keinen Schweißtropfen gekostet. Die Seilbahn hoch nach Oberems, den Zubringer zur Hübschweidi und in den Ergischer-Suonenweg abgezweigt. Nun ja, schmal war der Suonenweg, rollbare Anschnitte eher selten, viele Schiebestellen weil sehr ausgesetzt, aber eine einmalige Landschaft. Die Trailabfahrt nach Ergisch und später nach Turtmann entpuppten sich als sehr lohnenswert. Das Wetter am Ostersamstag hat gut gehalten, am Berg waren es noch über 10 Grad, regenfrei aber windig.

Tag 3: Höhenluft schnuppern und Ostereier suchen im Schnee

Zwischenzeitlich pilgerten wir weiter nach Visp und waren um 9:00 am Busbahnhof abfahrtsbereit. Der Bus zur Moosalp fährt im April nur bis Zenggen, ab dort durften wir 600HM auf Straße uns warm fahren. Eisige Luft, scharfer Blick in die Berge und verschlafene Almen. Mit Vorfreude auf die heiße Schocki an der Moosalm, wurden wir leider enttäuscht. Die Alm hatte zu. Die Abfahrt nach Törbel hat schnell darüber hinweg getröstet. Kurviger Almtrail und später steinige Spitzkehren an tiefem Talblick. Fahren oder Gucken, beides zusammen ging nicht. Ab Stalden gondelten wir hoch nach Gspon um (so der Plan) an der Schneeuntergrenze des Gebidum nach Visperterminen zu queren. Die vom weiten schneefreien Hänge waren fast schneefrei. Eine gute Stunde knietief im Altschnee im Westhang war sowas von Kräfte zehrend dass danach kein Meter mehr hoch zu pedallieren ging. Die Trail nach Giw, der Walfahrtsweg nach Visperterminen, der Trail nach Ara und die Abfahrt über den Eyholzwald hatten jeden Meter im Schnee verblassen lassen. Eine gute Mischung aus Anstrengung und Fahrspaß gekrönt vom leckeren selbstgekochten Essen und ein kühles Bier…Hmmm…

Tag 4: Ostermontag auf der DH-Strecke von Champex

Aus der deutsch-Wallis in die französische-Wallis gewechselt, starteten wir heute in Dorenaz. Tagesticket an der Gondel für 30 CHF lohnt nicht nur mit DH-Bike. Zwei lange Abfahrten über Naturtrails mit anfangs anstrengenden Schiebepassagen führten auf alten Römerwegen an die Rhone hinunter. Der Blick zum Mont Blanc und nach Verbier war einmalig, strahlender Sonnenschein und ein eisiger Wind aus den Bergen wechselten sich ab. Die letzte Abfahrt des Tages führte über die DH-Strecke von Champex, in steilen Anliegern und über hohen Absätzen. Das 301 hatte ordentlich was zu tun und ich war heil froh in einem Stück unten angekommen zu sein :-)

Nach einem Eis und einem Espresso sitzen wir in Womo auf dem Weg in die Pfalz, braun gebrannt, mit Staub im Gesicht, dicken Waden und einem kräftigen Händedruck. Morgen geht wieder an die Arbeit, Leo managet die Qualität und ich tue „Fresse polieren“. Schön wars im Wallis. Wir sind dankbar für dieses Leben.